Der Verborgene Schatz: Weisheitsgeschichten Der Sufis

Der Verborgene Schatz: Weisheitsgeschichten Der Sufis

Autor : Gianluca Magi
Geschlecht : Bücher, Religion & Glaube, Islam,
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Format : PDF, ePub

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Der Verborgene Schatz: Weisheitsgeschichten Der Sufis

Über den Autor und weitere Mitwirkende Gianluca Magi ist Dozent für Chinesische Religionsgeschichte und Hinduismus an der Universität von Urbino. In Rimini gründete und leitet er die Schule für orientalische und vergleichende Philosophie. Magi hat den asiatisch-orientalischen Kulturkreis intensiv bereist und zahlreiche Bücher zur östlichen Philosophie verfasst, von denen mehrere zu nationalen Bestsellern avancierten. Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten. Wir haben im Andenken an den Geliebten Wein getrunken, der uns trunken machte, noch bevor wir den Weinberg anlegten.Umar ben al Faridh Mit diesem Vers beginnt das mystische Gedicht Khamriya, verfasst vom Begründer der Bruderschaft Faridhiyya-Qadiryya. Es besagt, dass das Verlangen des Sufi nach Weisheit und der Erkenntnis Gottes schon existierten, ehe der Islam als Religion entstand. 'Wir tranken von diesem Wein, noch bevor der Weinberg angelegt wurde.' Ein Glas Wein kann vieles sein. Für den, der ihn zu trinken versteht, ist der Wein zunächst eine Quelle des Genusses, doch im Übermaß wird er ihm zur Qual, zur Hölle. Lässt man den Wein jedoch unberührt, wird er zu Essig und ist nicht mehr zu trinken. Dafür kann man ihn zum Würzen verwenden. Man kann mit Wein ein Aquarell malen oder ihn zu Schnaps destillieren. Dann wird er zur Medizin, und auf ärztliche Verordnung darf selbst der frömmste Muslim ihn zu sich nehmen. Was können wir noch vom Wein sagen? Wir können ihn einschenken, flambieren, können ihn Freunden anbieten ... Doch für Omar Khayyam, der in seine Verse immer wieder das Bild des Weines einfließen lässt, war Wein kein Getränk und keine 'verbotene Frucht'. Für ihn war er das Symbol des Mystikerdaseins schlechthin. Der Wein steht ihm für das Denken, das - letztlich nicht fassbar - in der dergah, dem Zentrum der Sufi-Bruderschaft, alle Sufis miteinander verbindet.Wie die zahllosen Geschichten und Gleichnisse der Sufis: Sie sprengen die Regeln, ohne dies zu beabsichtigen. Sie alle transportieren einen Sinn, der über die erzählten Fakten und die erzählenden Worte hinausgeht. Wie die Worte eines Gedichts, die Takte einer Sinfonie, die in uns plötzlich ein namenloses Gefühl erwecken, in anderem Zusammenhang und anderer Anordnung aber keinerlei Wirkung zeitigen.Und so gingen diese Geschichten von Mund zu Mund, wurden von Meister zu Meister überliefert, ohne je das Schicksal jener Münzen zu erleiden, die durch allzu viele Hände wandern und davon dünn und abgegriffen werden. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Jede Sufigeschichte hat ihre eigene Moral, die über die Wortebene der Erzählung, über deren scheinbaren Widersinn hinausreicht und das Erstaunen des Kindes in uns zu wecken vermag. Und diese Moral nährt sich aus derselben Quelle wie die Spiritualität jedes reinen Herzens, wie das Gottesempfinden des Mystikers. Aus derselben Quelle, aus der alle menschlichen Wesen, ja alle Tiere trinken ...Einige der hier vorgestellten Anekdoten haben Khoja Nasr alDin zur Hauptperson, den wir auch als Nasruddin oder Nasreddin kennen. In der Türkei heißt es, er sei im türkischen Beyshehir geboren. Zumindest können wir dort sein Grabmal bewundern und ein Bronzestandbild, das den großen Weisen rückwärts auf seinem Esel reitend zeigt. Dieses Standbild erinnert an eine der bekanntesten Sufigeschichten. Der Weise begegnet uns in allen möglichen Kulturkreisen und trägt überall einen anderen Namen: Die Juden nennen ihn Juha, die Sizilianer Giufä, in der Toskana hat man ihn Bertoldo getauft. Ist letztlich nicht auch der facettenreiche Nasruddin - der nie existiert hat, dessen Bild aber trotzdem in Bronze gegossen wurde - nichts weiter als ein Symbol? Ein Symbol für die Eitelkeit der Welt, die Nichtigkeit der Wechselfälle des Lebens, die uns so sehr beschäftigen und faszinieren, weil wir sie so unglaublich wichtig nehmen? Und kommen die Sufigeschichten am Ende nicht den höchsten psychoanalytischen Lehren gleich, die wir mit unserem kindischen und kranken Gemüt zu verstehen versuchen?Eines jedenfalls steht fest: Uns Sufis, die wir Muslime sind, ist der Wein verboten! Von welchem Wein ist dann überhaupt die Rede? Oder ist auch der Wein nichts weiter als eine Sufigeschichte? Am besten schenken wir uns ein Glas ein und erzählen uns eine Geschichte dazu. Denn wie könnte ein Sufi eine Sammlung von Sufigeschichten besser vorstellen als mit einer Sufigeschichte:'Zwei junge Leute verließen ihr Dorf, um sich nach einem gastfreundlicheren und fruchtbareren Landstrich aufzumachen. Der Erste war der Sohn eines reichen Mannes und hängte sich daher einen Beutel mit Goldstücken um. Der Zweite aber war der Sohn eines armen Bauern. In seinem Beutel fanden sich nur Samenkörner. Er besaß ja nichts anderes. Als sie nun in das >gelobte LandBetrachten Sie dieses Buch einmal von diesem Standpunkt aus: Der Beutel von Gianluca Magi enthält eine reiche Auswahl an Samenkörnern, die alle gute Frucht bringen. Und so wünsche ich Ihnen, dass aufmerksame Lektüre und gründliches Nachdenken Ihnen ebenfalls reiche Ernte bringen werden.Scheich Gabriel Mandel Khan Generalvikar der Sufibrüderschaft Jerrahi-Halveti in Italien Der Sufismus Wer kostet, erkennt. Leitspruch der Sufis Der Sufismus ist einer der wertvollsten Beiträge, die der Orient zur Entwicklung des menschlichen Denkens geleistet hat. Letztlich aber ist und bleibt er - trotz all der schönen Begriffserklärungen, die wir zurzeit in der Literatur finden - undefinierbar: Der Sufismus lässt sich einfach nicht in eine feste Kategorie zwängen. Auf die Frage: 'Was ist Sufismus?' würde ein Sufi-Meister vielleicht mit der Geschichte vom Elefanten im Dunkeln antworten.Der Sufismus ist weder eine Religion noch ein abstraktes Denkgebäude, die sich der Alltagswirklichkeit entziehen. Er ist auch nicht 'mystisch', zumindest nicht in dem Sinne, in dem man diesen Begriff gewöhnlich gebraucht. Alle Produktbeschreibungen

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